Kurzgeschichten aus der Parabelecke: „Wenn Bäume vermöbelt werden sollen“

Ein Mensch ging eines Tages in einen Wald um einen Baum zu fällen, um sich daraus einen Tisch zu bauen. Er konnte dies tun, denn er wusste was alle Menschen wissen: Bäume sind dumm.

Er stellte sich vor einem großen, alten Baum auf und sprach: „Du, Baum, bist ein dummer Baum! Du stehst den ganzen Tag nur herum, stehst jedem im Weg und deshalb werde ich dich jetzt fällen!“

Der Mensch holte aus und wollte gerade zuschlagen, da begann der Baum zu sprechen: „Aber ich bin doch gar nicht dumm.“, sagte der Baum, „ und ich stehe auch niemandem im Weg, im Gegenteil, ich bin sogar sehr nützlich. Ich biete den Tieren Schutz, spende jedem, der unter meiner Krone sitzt, Schatten und ich produziere frische Luft.“

Der Mensch war natürlich sehr überrascht, dass der Baum zu ihm gesprochen hatte, weil er doch wusste, was alle Menschen wissen: Bäume sind dumm. Somit können sie logischerweise auch nicht sprechen. Sobald er seinen Schrecken überwunden hatte, vermutete er gleich, dass ihn jemand täuschen wollte. So suchte der Mensch nach demjenigen, der gesprochen haben musste.

Nach einigem Suchen fand er ein Eichhörnchen, dass auf dem Baum saß und an einer Haselnus knabberte.

Er beschuldigte es, soeben mit ihm gesprochen zu haben, weil er doch wusste, dass Eichhörnchen ausgesprochen schlaue Tierchen sind, die ihre Nahrungsmittel, an verschiedenen, sicheren Orten versteckten, um sie vor Räubern zu schützen.

Schlaue, kleine Tierchen, dachte der Mensch.

Aber das Eichhörnchen antwortete ihm nicht, wohl aber der Baum:

Nein, Eichhörnchen können nicht sprechen. Ich habe gesprochen!“

Aber der Mensch beachtete den Baum gar nicht, denn sein gesunder Menschenverstand sagte ihm, dass das unmöglich sei, da Bäume ja dumm wären.

Da das Eichhörnchen aber die Lippen nicht bewegt hatte, als die Stimme erklungen war, suchte der Mensch weiter nach dem Ursprung der Stimme. Er suchte und suchte, er durchstreifte den gesamten Wald.

Nachdem er tagelang umhergeirrt war, fand er einen Alten Mann, der unter einem Baum saß, der dem, den er umhauen wollte, sehr ähnlich sah.

Der Mensch fuhr den Alten Mann lauthals an: „Gib es zu Alter Mann, du hast zu mir gesprochen und nicht jener Baum!“

Der Alte Mann erwiderte nichts, er öffnete nur den Mund und wies mit seinem Zeigefinger darauf. Der Mensch sah, dass der Alte Mann keine Zunge mehr hatte. Der Mensch schwieg eine Weile, dachte nach und reif dann aufgebracht: „Gib es zu Alter Mann, du hast dir die Zunge heraus geschnitten, nachdem du mit zu mir gesprochen hast!“

Doch der Alte Mann schüttelte nur den Kopf und der Baum, unter dem der Alte Mann saß, erwiderte darauf: „Nein, der Alte Mann hat nicht gesprochen.“

Und alle Bäume im Wald sprachen im Chor wieder und immer wieder: „Nein, der Alte Mann hat nicht gesprochen.“

Da schlug der Mensch die Hände auf seine Ohren, rannte lauthals schreiend davon und kehrte niemals in den Wald zurück.

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